Der Sprung


„papa, nein mach das nicht“, rief eine Mädchenstimme hinter uns.

„Was, soll ich nicht?“, hörten wir den verdutzten Vater. Wir blickten uns um und sahen einen mehr oder weniger sportlichen Mann auf einem Felsen stehen, der immerhin eine Höhe von 50 cm hatte. Daneben stand ein kleines Mädchen. Von der Mutter war nichts zu sehen.

„Ich kann doch hier runterspringen, was soll .. das mache ich doch immer“, sagte er noch und sprang. Das Mädchen kreischte vor Entsetzen.

„Was ist denn los mit dir?“, lachte der Vater.

„Ich hatte so Angst, dass Du Dir etwas tust“, sagte die Kleine.

Wir gingen weiter und hörten den Vater noch sagen, „Dass Du Dir so Angst um mich machst. Aber das brauchst Du doch nicht. Ich bin noch viel größeren Stufen gesprungen…“

Meine Frau meinte nur „die armen Kinder“.

Das war auf dem Weg zu den drei Sesseln im Bayerischen Wald. Durch die zwischen abgestorbenen Fichten sich erneuernde Vegetation schlängelte sich ein Weg, wie ihn die Wanderer im Bayerischen Wald gerne haben. Es ging im wahrsten Wortsinn über Stock und Stein. Brav voneinander getrennt wanderte es sich in Grüppchen. Meistens waren es Paare, mit und ohne Kinder. Manchmal waren aber auch Familien oder Freundeskreise unterwegs. Die meisten Kinder sprangen wild umher und tobten in den Felsen, aber andere, wie das oben geschilderte Mädchen, klammerten sich an ihre Eltern.

Der Abend im Hotel war nach Art Oktoberfest. Waren die normalen Abendessen in der Stube an fixen, durch das Hygienekonzept vorgeschriebenen Tischen, gab es im Hof mehr oder weniger freie Platzwahl. Wir setzten uns zu einer Gruppe Sachsen, die mit einem Bus angekommen war.

Das Essen konnte sich jeder vom Grill holen. Im Gegensatz zur Wirtsstube gab es weder Pfeile, die eine Laufrichtung vorgaben, noch Abstandsmarkierungen. Tatsächlich konnte man mit Mitessern über das Angebot lästern und auch auf Gegenverkehr treffen.

Nach dem Grill kam die Musik. Zwei lokale Sänger mit Lederhose und Seppelhut, einer hatte eine Ziehharmonika, der andere so etwas wie eine größere Trompete. Sie freuten sich, endlich wieder auftreten zu können. Es war ja eine harte Zeit, die nun vorbei wäre. Hofften sie.

Ihre Witze waren geschmacklos, so von dieser Art:

Sagt die Freundin zur anderen: „Du schau mal mein Mann bringt mir Blumen mit, das muss ich wohl wieder die Beine breitmachen“

Antwortet die Freundin: „Wir tun die immer in die Vase“

Auch die Musik war eher vom Musikantenstadl, aber es war die erste Kultur nach der ersten Coronapanik. Die halbe Bier tranken sich recht gut und auch der Blutwurz (roter Kräuterschnaps) hob die Stimmung.

Eine Sächsin setzte sich eine Maske auf und schob die Unterkante unter die Oberkante, sodass die Maske wie Lappen über der Nase hing. Sie lachte und meinte: „Heisst doch über Mund und Nase mit der Maske und nu is alles drüber“.

Das war in der letzten Woche im Juli 2020. Wir warteten auf eine Möglichkeit, zum Mittelmeer zu kommen.


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