Jesus starb für jemandes Sünden


, aber nicht meine“, sang Patti Smith auf ihrer ersten LP „Horses“ aus dem Jahr 1975. Sie war damals 20. Bei einer Visite beim Papst 2013 entschuldigte sie sich ausdrücklich nicht dafür. Sie erklärte nur, dass sie damals eben jung und wütend war.

Dabei hat sie meiner Meinung nach vollkommen Recht. Jesus konnte gar nicht für ihre Sünden gestorben sein, denn die hat sie noch gar nicht begangen. Das macht keinen Sinn.

Er starb für die Erbsünde.

Erbsünde? War das nicht das unerklärliche, nahezu willkürliche Verbot, von einem Baum im Paradies zu essen?

Für mich ergab das nie einen richtigen Sinn, bis ich erfuhr, dass der werte Herr Luther hier verkehrt übersetzt hatte. Statt Apfelbaum hätte er „Baum der guten und schlechten Taten“ schreiben sollen. Wie sollte er so etwas seinen Lesern, den einfachen Menschen, erklären?

Als Informatiker habe ich sofort den Entscheidungsbaum aus der künstlichen Intelligenz erkannt und wunderte mich über die Hebräer, die vor mehr als zweitausend Jahren schon der Meinung waren, dass künstliche Intelligenz in die Hölle führt.

Auf einmal macht das ganze Jesusnarrativ einen etwas anderen Sinn:

Eine junge Frau bekommt Besuch von einem Engel, der „Fürchte Dich nicht“ sagt. Sie wird schwanger, lernt einen Joseph kennen, bekommt einen Sohn in einer Krippe, flieht nach Ägypten, kehrt nach Israel zurück und zieht den Sohn auf. Der Sohn beeindruckt früh seine Umgebung, sammelt im Lauf der Zeit Anhänger, zieht mit diesen nach Jerusalem, wird aber von allen verlassen, um schließlich von den Römern an das Kreuz geschlagen zu werden. Nach drei Tagen steht er körperlich auf von den Toten. Die Anhänger überprüfen das. In der Bibel steht explizit, dass der Körper wieder auferstanden ist! Er verschwindet dann und ruft die Anhänger auf, diese Geschichte in die Welt zu tragen, damit diese von der Erbsünde erlöst wird. Und die Welt veränderte sich schneller als in den Jahrhunderten vorher.

Dieses „Fürchte Dich nicht“ und Vertrauen auf Gott ist das Gegenteil von intelligentem Zielsetzen und planvollem Handeln.

Warum aber sollte es schlecht sein, planvoll das zu tun, was den größten Vorteil verspricht?

Pläne gehen schief. Das Wissen des Einzelnen, aber auch wenn es mit künstlicher Intelligenz in Servern ablaufen sollte, ist immer historisch und begrenzt. Wirklich neue Erfahrungen können gar nicht eingeplant werden. Überhaupt ist Planen teuer und normalerweise werden Pläne, die schon immer funktionierten, übernommen. Damit geht der Einzelne nicht seinen eigenen Weg, sondern übernimmt Wege, die vor ihm schon bewährt waren.

Mit Glück funktioniert der Plan, dann lebt es sich gut und langweilig ohne Überraschungen.

Normalerweise ist irgendetwas dann doch anders und, obwohl alles nach Plan gemacht, sind die Resultate dann doch nicht so wie erwartet.

Patti Smith selbst hatte eine sichere Stelle am Fließband, wurde schwanger, gab die Tochter aber zur Adoption frei, schlug sich in New York durch, in dem sie Essensreste aß und schrieb Gedichte, die sie zu einfachen Rockakkorden vortrug.

Sie wurde die Godmother of Punk.


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