Du bist was Du ist, Du ist was Du bin.


Das kommt von Zappa. So lautet seine LP aus dem Jahr 1981, die ich neulich in einem LP Laden kaufte. Ich war schon gespannt, ob ich einen seiner Titel wieder erkannte. Immerhin war ich in meiner kiffenden Zeit ein Zappa Fan und hatte auch einige seiner Alben auf Kassetten kopiert.

Seit mir die Kinder zum 60ten einen Plattenspieler schenkten, höre ich wieder alte LPs, die ich nicht weggeworfen habe und suche immer nach denen, die ich früher auf Kassetten hatte. Diese LP kannte ich nicht, aber der Wortwitz las sich gut.

Ich kannte keinen von den Tracks. Der titelgebende Track beschreibt unter anderem Leute, die anders sein wollen, als sie sind. So wird ein Farbiger besungen, der unbedingt ein Kaukasier sein will.

Im Refrain heisst es dann „Your are what you is, you is what you am“. Laut Wikipedia ist das ein Spiel mit der Grammatik.

Wenn ein paar Wörter hinzugefügt werden, bekommen die Zeilen eine Bedeutung:

You are what you think your ideal is

You think how your ideal is from what you see how i am.

Das liest sich narzisstisch, aber wenn Zappa das besingt, ist das eine Beobachtung, die einfach nur stimmt. Damals liefen viele langhaarige Kiffer so herum, wie Zappa auf den Covers erschien. Die Schultern hingen herunter, der Blick war lässig und generell nahm man die Dinger eher zynisch.

Allgemein wurde Zappa als rebellisch und leistungsverweigernd gesehen. Damals war die Zeit der Tunix-Bewegung und das Bild passte in die Zeit.

Ist diese Sichtweise auf Zappa wirklich stimmig? Warum veröffentlichte er dieses Doppel LP nach langen Überlegen 1981?

Es war das erste Jahr von Ronald Reagan. Ein konservativer Präsident übernahm das weiße Haus. Jimmy Carter war Geschichte. Für Linke brach damals eine Welt zusammen. Wollte Zappa in dieser Hinsicht etwas von sich geben?

Das Pamphlet in der Mitte des LP-Covers scheint auf eine Message hinzudeuten. Es beschäftigte sich mit der Generation, die Käse gewählt hatte. Auf Englisch klingt das besser:

The generation who CHOOSE CHEESE!

Auf den ersten Blick ist das eine einfache Ablehnung. Aber der Text beschreibt eine Generation, in der jeder frei geboren wurde, die aber dann diese Freiheit nicht auslebt, sondern lieber den Käse wählt. Mit Käse ist das Leben nach Regeln und Vorschriften gemeint. So gibt es unter anderem Buchhaltungskäse, von dem durchaus gut gelebt werden kann. Der einzelne Buchhalter lebt von der Arbeit anderer Leute, ohne produktiv oder kreativ zu sein. Seine eigene Freiheit besteht nur darin, sich seinen Wirt auszusuchen.

Dasselbe gilt für den Wohlfahrtskäse, der verbraucht und verteilt wird. Von diesem Käse leben die Einen, die nicht wissen, warum sie die Sachen bekommen, die sie brauchen, aber auch die Anderen, diese Wohltaten planen und verwalten. Diese haben bei weitem mehr von dem Wohlfahrtskäse.

Das Pamphlet endet mit dem Spruch:

There is free lunch and we eat it.

Wir wissen alle, es gibt kein freies Essen. Da muss immer einer etwas anbauen, ernten und verarbeiten. Dieses „we eat it“ treibt es auf die Spitze. Nur in einer Gesellschaft, die den Käse gewählt hat, kann so etwas behauptet werden. Solch eine Gesellschaft erwartet Strom aus der Steckdose ohne Kraftwerke dahinter.

War Zappa vielleicht ein verkappter Konservativer?

Der Track „teenage wind“ definiert Freiheit in einer eigenen Weise:

Du bist frei, wenn Du nicht gezwungen wirst
für nichts zu bezahlen
oder nichts zu tun.

Free is when you don’t have to
Pay for nothing
Or do nothing

Als Bewohner einer auf sozialer Marktwirtschaft beruhender Gesellschaft, bin ich gezwungen entweder nichts zu tun und von Sozialhilfe zu leben, oder ich muss für Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung sowie öffentlich-rechtliche Mediengestaltung zahlen. Da ich keinen direkten Einfluss auf die Verwendung dieser Gelder habe, ist das ein Bezahlen für nichts.

Geschrieben wurde Text 1981, heute, 2022, erleben wir die Konsequenzen.


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